Unternehmensgründer Roger Brandts im Interview

Roger Brandts

WIE KAM ES ZUR GRÜNDUNG VON FYNCH-HATTON?

„Das hat sicher viel damit zu tun, dass meine Familie schon seit vielen Generationen mit Textilien zu tun hat. Ich komme aus einer Tuchmacher-Familie und insofern war der Weg vorgezeichnet. Ein Meilenstein: Mein Vorfahre Franz Brandts hat 1870 die ersten mechanischen Webstühle aus England nach Kontinentaleuropa gebracht. Damit war ein entscheidender Schritt in Richtung Industrialisierung der Textilindustrie getan. 1945 hat mein Großvater dann die Wilhelm Brandts Tuchfabrik GmbH gegründet. Opas Webstühle fand ich als Kind immer großartig und die Entwicklung und Fertigung von Stoffen hat mich immer fasziniert. Ich bin dann zwar aus der Tradition der Weber ausgeschert und mit Fynch-Hatton in die Bekleidungsbranche eingestiegen, aber letztlich ist das Thema der hochwertigen Fasern, der besten Garne und der daraus gefertigten Stoffe immer noch meine große Leidenschaft. Als ich dann zur Vorbereitung für mein Studium der Textiltechnik ein 6-monatiges Praktikum in Südafrika machte und in dieser Zeit auch noch der Film ‚Jenseits von Afrika‘ in die Kinos kam, war ich gefesselt. Nicht nur von diesem wundervollen Kontinent, sondern auch von der Person Denys Finch Hatton. Ein großartiger Mann, der sich seine Freiheiten nahm und der die Natur und die Wildheit Afrikas liebte. Beides spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung von Fynch-Hatton.“

DAS HEIßT, AFRIKA SPIELT FÜR IHRE MARKE EINE BESONDERE ROLLE?

„Richtig. Afrika ist ein in allen Bereichen großartiger und vielfältiger Kontinent. Einerseits gibt es die ewige Sonne, den unendlich großen Himmel, die unberührte, wilde Natur und das besondere Zusammenspiel von Licht und Farben. Mit Menschen, die trotz vieler Probleme nie ihr Lachen verlieren – Happy People - und bei denen Mode einfach ‚back to basics‘ bedeutet. Andererseits gab es den freiheitsliebenden Lebemann Finch Hatton, dessen Leben ich sicherlich gerne gelebt hätte. Er war ein Abenteurer und suchte immer das Ungewöhnliche, war offen für alles. Er tat das, woran er glaubte und ist somit eine echte Inspiration für die Marke. Alles zusammen spiegelt sich in unseren Produkten wider. Von der für die afrikanische Landschaft typischen Schirmakazie als Logo über die besonderen Farbkombinationen bis hin zur hohen und widerstandsfähigen Qualität und dem besonderen Stil.“

WAREN SIE VON ANFANG AN VOM ERFOLG ÜBERZEUGT?

„Ja und nein. Es gibt natürlich immer Risiken. Ich komme aber aus einer Unternehmerfamilie und ich war sicher, dass Fynch-Hatton eine Nische füllen kann. Ein gutes, ehrliches Produkt findet seinen Markt. Davon war ich überzeugt. In der Marktmitte fehlte seinerzeit die perfekte Preis-Leistung. Also habe ich es gewagt! Getreu meines recht kurzen, aber klaren Mottos: Machen! Wir setzen Top-Qualitäten ein und verwenden die bestmöglichen Fertigungstechniken. Dabei investieren wir aber eher in das Produkt als in den kostenintensiven Aufbau einer Lifestyle-Welt. Auch setzen wir auf langjährige Lieferantenbeziehungen, ausgesuchte Produktionsstätten, eine sehr konzentrierte Kostenstruktur und fair kalkulierte Preise. Dadurch sichern wir uns absolute Flexibilität und können Produkte anbieten, die eben preislich deutlich unter den Premiummarken liegen, sich aber qualitativ allemal mit den Top-Marken messen lassen können. Fynch-Hatton soll eine Marke sein, die sich jeder leisten kann, ohne auf die Qualität und den Stil einer Premiummarke zu verzichten.“

WIE GEHT ES MIT FYNCH-HATTON WEITER?

„Wie alle Unternehmen müssen wir beweglich sein. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass wir neben Pullovern auch die inzwischen sehr erfolgreichen Hemden und Polo-Shirts sowie Daunenjacken und Westen ins Sortiment aufgenommen haben. Wir bieten außerdem Hosen, Jacken, Sakkos und Accessoires und ganz neu auch Schuhe an - eben alles, was ein Mann so braucht, um gut gekleidet zu sein. In unserer Branchensprache nennen wir das den „Total Look“. Hier legen wir natürlich, wie bei all unseren Produkten, größten Wert auf eine tolle Preis-Leistung. Des Weiteren haben wir uns bei der Hose um die perfekte Passform gekümmert mit dem Ziel eine schlanke und moderne Silhouette zu gestalten. Die Outdoor Jacken und auch die hochwertig verarbeiteten Sakkos folgen einer sportiven, relaxten Idee. Klare Optiken, aufgeräumt und nicht überdekoriert. Top Wareneinsatz in einer modernen, verständlichen Modeaussage. So wie es die Männer lieben. Einen weiteren großen Schritt in Bezug auf die Präsentation unserer Produkte in der Fynch-Hatton Welt sind wir in diesem Jahr gegangen. Wir sind mit Shop-in-Shops bei führenden Händlern vertreten und im Frühjahr 2015 haben wir unseren ersten Store im Mönchengladbacher Shoppingcenter Minto eröffnet. Dort präsentieren wir auf 120 Quadratmetern die gesamte Produktrange unserer hochwertigen Markenwelt, in der es neben der Ware noch einiges mehr zu entdecken gibt. Auf den ersten Store folgten 6 weitere, sodass wir mittlerweile mit 7 Stores in 6 Städten vertreten sind: Mönchengladbach, Essen, Köln mit 2 Stores, Münster, Oldenburg und zuletzt Aachen. Neben dem neuen Retail-Konzept haben wir außerdem das Ziel auch auf internationaler Ebene weitere Märkte zu erschließen. Bisher sind wir in 55 Ländern vertreten. Weitere sollen folgen. Um für die Weiterentwicklung bereit zu sein, wollen wir längerfristig das Markenimage stärken. Unser jüngstes Image-Shooting in Südafrika unterstreicht dieses Ziel. Die Locations sind natürlich den Orten nachempfunden, an denen sich unser Namensgeber Denys Finch Hatton seinerzeit aufgehalten hat. In größeren Dimensionen zu denken, ist das Abenteuer, auf das wir uns eingelassen haben. Die größte Inspiration behalten wir dabei stets im Hinterkopf und fragen uns immer wieder: Was hätte Denys Finch Hatton gemacht?“

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